Johannes der Täufer am 24. Juni

Über Johannes den Täufer hat Jesus einmal gesagt: „Unter allen Menschen gibt es keinen größeren als Johannes“ (Lukas 7,28). Es sind verschiedene Eigenschaften, die die Größe Johannes des Täufers ausmachen und die zeigen, wozu der Mensch in der Lage ist. Johannes der Täufer ist der letzte große Prophet des alten Bundes. Einer der großen Gestalten des Volkes Israel, die Gottes Wirklichkeit erspürten und erahnten, welchen Anspruch Gott an die Menschen stellt.

Wir Menschen haben dazu die natürliche Begabung. Wir können die Wirklichkeit Gottes entdecken. Wir können nachvollziehen, welchen Anspruch er an uns Menschen stellt. Die Vernunft und das Gewissen befähigen uns dazu.

Johannes der Täufer hat darüber hinaus die menschliche Fähigkeit vorbildlich entwickelt, dass wir Menschen dazu in der Lage sind, uns eine eigene individuelle Meinung zu bilden, dass wir uns nicht nach dem richten müssen, was die Mehrheit denkt, und dass wir uns nicht davor fürchten müssen, etwas zu verschweigen, bloß weil die Wahrheit unangenehm sein könnte.

Johannes hat viele Menschen fasziniert, weil er ihnen auch unbequeme Wahrheiten gesagt hat. Viele waren bereit, daraufhin ihr Leben zu ändern. Bei den Mächtigen ist er damit allerdings angestoßen. Dem König Herodes Antipas hat er deutlich gesagt, dass es nicht richtig war, die Frau seines Bruders Philippus, Herodias zu heiraten. Das hat ihm buchstäblich den Kopf gekostet.

Johannes der Täufer hatte noch eine weitere Fähigkeit, die uns Menschen von Natur aus gegeben ist. Er hatte erkannt, dass in der unscheinbaren Gestalt Jesu von Nazareth Gott selbst in der Welt war. Als er Jesus sah, sagte er: „Seht das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinweg nimmt“ (Johannes 1,29). Dieser Satz des Johannes wird uns in jeder Heiligen Messe in Erinnerung gerufen und weist uns darauf hin, dass Jesus Christus in der Gestalt des konsekrierten Brotes gegenwärtig ist.

Jesus hat aber nicht nur die großen menschlichen Fähigkeiten Johannes des Täufers entdeckt und gelobt, sondern sein Satz geht weiter: „Unter allen Menschen gibt es keinen größeren als Johannes, doch der kleinste im Reich Gottes ist größer als er“ (Lukas 7,28). Diejenigen, die zum Reich Gottes gehören, brauchen nicht nur auf ihre eigenen natürlichen, menschlichen Fähigkeiten zu bauen, sondern sie werden von Gott zu Größerem befähigt.

Bischof Ulrich Neymeyr,
in: Pfarrbriefservice.de